Connectivity – Ein Status quo

Viele Technologien haben ihren Einzug in das Auto gefunden. Fahrassistenz, Fahrzeugüberwachung, Infotainment, autonomes Fahren – die theoretischen Möglichkeiten sind unbegrenzt. Nun gilt es Wege zu finden, diese Technologien sinnvoll zu nutzen.

Connectivity-Angebote können bei Kaufentscheidungen ausschlaggebend sein
und für Unternehmen zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden.

In einer internationalen Branchenstudie von McKinsey & Company gaben 13% der Befragten an, ein Neuwagen ohne Interzugang käme für sie nicht mehr in Betracht. Gerade Vielfahrer, die mehr als 20 Wochenstunden im Auto verbringen, legen Wert auf die neuen Technologien: 40% gaben an, die Automarke zu wechseln, wenn sie dadurch bessere Connectivity-Angebote erhalten.

Die Herausforderung des Daten-Managements und was Smartphones damit zu tun haben

Ab März 2018 wird jedes neu gebaute Auto vernetzt sein. Das liegt daran, dass ab diesem Zeitpunkt das automatische Notrufsystem E-Call in der EU verpflichtend eingeführt wird. Darüber hinaus reicht es dem Kunden nicht mehr, das Smartphone nur mit dem Auto zu verbinden – er möchte Auto und Smartphone beliebig kombinieren, Apps nutzen und ein hochwertiges Infotainment-System geboten bekommen.

Bis zu 25 GB Daten pro Stunde

Neben den Prozessen, die der Fahrer unmittelbar steuert oder wahrnimmt, laufen im Auto zusätzlich eine Vielzahl von unsichtbaren Prozessen. Ein moderner Mittelklassewagen enthält durchschnittlich 70 Mikrochips, 100 Engine Control Units, fünf Bussysteme und bis zu 100 Millionen Zeilen Befehlscode. Bis zu 25 GB an Daten werden stündlich erzeugt: Dies sind unter anderem Informationen zu Flüssigkeitsstand, Reifen/Bremsenverschleiß, Crash-Erkennung, Abgasemissionen, Fahrsicherheit, Geschwindigkeit, Standort, Unterhaltungssysteme und Navigation.

Wenn man von der Prognose ausgeht, dass bis 2020 eine Viertelmilliarde Connected Cars auf den Straßen sind, ergibt das eine Datenmenge von 6,25 Milliarden Gigabyte - alle 60 Minuten.
Automobilkonzerne stehen jetzt vor der Herausforderung mit diesen Daten zu arbeiten, wozu enorme Rechenkapazitäten notwendig sind. Gerade in Hinblick auf autonomes Fahren wird die Echtzeitanalyse und -verarbeitung immer wichtiger: Sie ist verantwortlich für die Sicherheit.

Wie soll mit der Datenflut sinnvoll umgegangen werden?

Das Daten-Management ist mit vielen offenen Fragen verbunden. Ganz grundsätzlich muss geklärt werden, welche Daten von wem erhoben werden und wann. Es herrscht Einigkeit darüber, dass grundlegende Sicherheitsinfos aufgezeichnet werden sollten. Wie soll jedoch mit Telematik-Daten umgegangen werden? Sollten Zulieferer diese Informationen erhalten, um die Leistung ihrer Komponenten zu überwachen oder nur der Automobilhersteller selbst?

Auch, was nach der Erhebung mit den Daten passieren soll muss geklärt werden: Wie lange sollen Informationen gespeichert werden?
Diese Überlegungen sind eng mit den Themen Datenschutz, Privatsphäre und Sicherheit sowie Haftungsfragen verbunden und wird sicherlich in nächster Zeit Diskussionsgegenstand.

Vorbild Smartphone?

iOS, Android und zahlreiche Softwareentwickler, die für mobile Plattformen erstellen, standen vor den gleichen Herausforderungen und haben ihren eigenen Weg gefunden mit Datenverbreitung und -überwachung umzugehen.

Apple zum Beispiel sammelt keine Daten, die nicht explizit das Betriebssystem betreffen. Auch von Drittanbieter-iPhone-Apps werden keine Daten erhoben. Die App-Entwickler beschäftigen sich ebenfalls nur mit dem, was mit ihrer spezifischen Software zusammenhängt.

Auch für Connected Cars ist dies ein denkbares Modell.

Diesen Gedanken verfolgen auch Apple und Google: Da ihre Lösungen zur Smartphone-Integration im Auto beim Nutzer sehr gut ankommen, sehen sie hier lohnenswerte Chancen.

Kampf um Geschäftsfelder mit erwarteten Umsatz im Milliardenbereich

Für die zuständigen IT-Abteilungen tritt zukünftig eine Änderung ein: Ihre Arbeit war für den Kunden bisher weitestgehend unsichtbar. Erstmals tritt nun der Fall ein, dass ihre Arbeit in vielen Fällen unmittelbar von den Kunden wahrgenommen wird und ihre Qualität den Erfolg des Unternehmens beeinflusst.

Hier bieten sich allerdings auch neue Chancen: Der Fahrer kann individuell, direkt und regelmäßig erreicht werden. Mithilfe der gesammelten Daten über das Verhalten des Fahrers kann für eine zielgerichtete Ansprache genutzt werden. Was für Automobilhersteller Neuland darstellt, ist für Google das normale Tagesgeschäft. Die Monetarisierung von Daten beherrscht Google perfekt. Die Hersteller befürchten, dass Ihnen mögliche Einnahmequellen von den IT-Riesen genommen werden. Laut Expertenschätzungen wird bis 2021 der Umsatz für Connected Cars auf 80,7 Milliarden US-Dollar steigen, die beide Seiten gerne für sich beanspruchen würden. Wer den Kampf für sich entscheidet, bleibt abzuwarten.