UX-Reihe 4/4: Utility – Der Mehrwert im Fokus

Utility ist ein weiteres Kernelement der User Experience. Sie beschreibt, inwiefern Inhalte und Funktionen an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst sind. Im Fokus steht der Mehrwert für den Nutzer.

Basis der Optimierung der Utility ist die Ausgangsfrage, was der Kunde braucht und wie das Produkt diese Anforderungen erfüllen kann.

Für viele Spezialisten sind Usability und Utility untrennbar miteinander verbunden. Tatsächlich gibt es jedoch Unterschiede:

Was unterscheidet Utility von Usability?

Utility zeichnet sich durch Eigenschaften wie Eignung, Nutzen und Zweckdienlichkeit aus. Ein Produkt mit hoher Utility erfüllt zweifelsfrei seinen Zweck. Jedoch sagt die Utility nichts darüber aus, wie einfach die Benutzung ist.

Ab diesem Punkt ist die Usability gefragt. Ihre Aufgabe ist es, dass ein bestimmter Nutzer das System einfach erlernen, effizient nutzen und seine geplanten Ziele zufriedenstellend erreichen kann.

Ein Beispiel:

Ein Fahrkartenautomat der städtischen Verkehrsbetriebe bietet mir als Nutzer insofern einen Mehrwert, dass ich in der Lage bin mir direkt ein Ticket in der Bahn zu kaufen, statt vorher Zeit für den Kauf aufzuwenden. (Utility)

Dass mich dieser Erwerb einige Minuten und Nerven kostet, weil die Bezeichnungen für Tarifgebiete unverständlich sind oder das Touchpad des Automaten nicht justiert wurde, ist schlechte Usability.

Eine Gemeinsamkeit haben Utility und Usability dennoch: Die Kosten zur Behebung von Fehlentwicklungen. Wie Sie in unserem Artikel „Usability – Zwischen Mensch und Maschine“ nachlesen können, steigen die Kosten für Korrekturen exponentiell mit fortschreitender Entwicklung. Je besser die Anforderungen des Nutzers bekannt sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit am Nutzer an ihm vorbei zu entwickeln.

Utility-Regelwerk

Autor Henrik Arndt stellt eigene Anforderungen für die Utility auf:

Das Produkt muss einen konkreten Zweck haben. Alle zusammenhängenden Anforderungen des Benutzers sollen erfüllt werden, in gesellschaftlich oder wissenschaftlich akzeptierter Art und Weise.

Wenn es zu den Nutzeranforderungen gehört, sollte die Anwendung fähig sein, den aktuellsten Wissensstand wiederzugeben. Laut Arndt erhöht sich zudem der Nutzen eines Produktes, wenn der User die Möglichkeit hat, andere Anwendungen mit einzubeziehen. Zudem sollte eine Anwendung kooperativ sein und zwar in dem Sinne, dass sie den Nutzer durch Eigeninitiative unterstützt. Beispielsweise in Form eines Hinweises nach mehreren fehlerhaften Eingaben.

Um den Nutzwert herauszufinden müssen sich folgende Fragen gestellt werden:

Studien ergaben, dass eine schlecht empfundene Utility zu einer negativeren Nutzungsabsicht führt, als eine schlecht empfundene Security oder Usability. Für eine Kaufentscheidung oder die Nutzungsabsicht kann die empfundene Utility demnach wichtiger sein, als andere Elemente der UX.

Praktisch ist dies verständlicher: Eine App, die mir keinen Mehrwert bietet, aber einfach zu bedienen ist, werde ich wohl wieder entfernen. Bei einer App, die mir das Leben erleichtert, wird mir das Löschen schwerfallen, auch wenn die Handhabung Fehler aufweist, oder Sicherheitsrisiken bekannt sind.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die anderen Elemente der UX ignoriert werden dürfen. Jedoch kann Utility das Zünglein an der Waage zur Kaufentscheidung sein.

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